Ursprünglich veröffentlicht unter dem Titel: Geschäftsausblick: Bauwesen steht in einer Zwei-Geschwindigkeits-Wirtschaft vor Chancen und Gegenwinden
Die wichtigsten Erkenntnisse heben steigende Kosten, ungleichmäßige Nachfrage und die Sektoren hervor, die das Bauwesen vorantreiben.

Vor führenden Vertretern der Metallbauindustrie in Colorado Springs, Colorado, hob der Hauptredner Anirban Basu, ein weithin anerkannter Branchenökonom, sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen für das Baugewerbe hervor: Die US-Wirtschaft wächst zwar immer noch, aber das Wachstum ist zunehmend ungleichmäßig, und Branchenexperten müssen genau erkennen, wo Chancen bestehen und wo sich Risiken aufbauen. 

Basu sprach auf der gemeinsamen Veranstaltung des Verbandes der Metallbauunternehmer und -erbauer sowie des Verbandes der Metallbauhersteller (MBCEA/MBMA) und gab einen ersten Überblick über die Finanzierungs-, Arbeits-, Inflations- und Marktfragen, mit denen die Metallbauindustrie konfrontiert ist – Gespräche, die sich bis in die Zukunft fortsetzen werden. METALCON 2026Dort werden sich Tausende von Fachleuten aus dem Metallbau versammeln, um über die Marktkräfte zu diskutieren, die das kommende Jahr prägen werden. 

Basu, Chefökonom des Verbandes der Bauunternehmer und Bauträger (Associated Builders and Contractors), der Construction Financial Management Association und des Modular Building Institute sowie ehemaliger Vorsitzender der Wirtschaftsförderungskommission von Maryland, brachte eine praxisorientierte, auf das Baugewerbe fokussierte Perspektive ein. Sein Kernpunkt war unmissverständlich: Die Wirtschaft wächst, aber die Vorteile sind ungleich verteilt. „Es handelt sich also um ein einseitiges Wirtschaftswachstum, von dem einige Familien enorm profitieren, während der Lebensstandard anderer Familien deutlich sinkt“, sagte Basu.  

Preise, Tarife und Projektdruck 

Eine der deutlichsten Botschaften Basus bezog sich auf die Inflation und die damit einhergehende Frustration. Er sagte, es herrsche „große Besorgnis hinsichtlich der Wirtschaft“, ebenso wie „große Unzufriedenheit“ und „erhebliche Unzufriedenheit“, die unter anderem durch steigende Alltagskosten wie Lebensmittel verursacht würden. Im Zentrum dieser Unzufriedenheit stünden die „hohen und weiter steigenden Preise“. Er merkte an, dass die Gesamtinflation seit Mai 2020 um 29 % gestiegen sei, während die Kerninflation im gleichen Zeitraum um 25.7 % zugenommen habe. 

Das ist wichtig, weil die Inflation die Zinsen weiterhin hoch hält, die Kapitalkosten erhöht und viele Projekte schwieriger zu kalkulieren macht. Basu merkte an, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins nach anfänglicher Niedrigzinsphase zu Beginn der Pandemie auf etwa 5.5 % angehoben und später wieder gesenkt hatte. Die Kreditkosten bleiben jedoch im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie hoch. 

Wie er es ausdrückte: „Die Kreditkosten steigen, die Projektfinanzierungskosten steigen. Das ist schlecht für Bauprojekte.“ Basu sagte, die Inflation werde voraussichtlich anhalten und die Zinsen länger hoch halten – eine unerfreuliche Aussicht für die Baubranche, die sinkende private Finanzierungskosten benötigt, um mehr Bauvorhaben zu ermöglichen. 

Dieser Druck ist vor allem im Wohnungsbau und Teilen des Gewerbeimmobilienmarktes spürbar. Basu wies auf den Rückgang der im Bau befindlichen Wohnungen, die schwache Baugenehmigungstätigkeit und die anhaltende Schwäche im Mehrfamilienhaussektor hin, wo viele Projekte bei den heutigen Finanzierungs- und Inputkosten schlichtweg nicht rentabel sind. 

Er betonte zudem, dass der Bürosektor weiterhin eine Schwachstelle darstellt, da Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle die Leerstände in den Ballungsräumen weiterhin belasten und Druck auf Immobilienwerte, die Kreditvergabebereitschaft und die kommunalen Steuereinnahmen ausüben. Infolgedessen steht die private Bauwirtschaft, die mit traditionellen Bürogebäuden, spekulativen Mehrfamilienhäusern und anderen preissensiblen Projekten verbunden ist, weiterhin unter Druck. 

Wo die Stärke konzentriert ist 

Gleichzeitig stellte Basu klar, dass nicht alle Bausektoren mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Er hob Rechenzentren und die dafür benötigte Energieerzeugungs- und -verteilungsinfrastruktur als zwei der vielversprechendsten Zukunftschancen hervor. „Diese beiden Bausegmente dürften sich zukünftig als die stärksten erweisen“, sagte er. 

Er bezeichnete künstliche Intelligenz als einen der wichtigsten Treiber für Investitionen in der heutigen Wirtschaft. Hyperscaler wie Amazon und Meta investierten im vergangenen Jahr rund 450 Milliarden US-Dollar in die zugehörige Architektur und Infrastruktur und erwarten für dieses Jahr Ausgaben zwischen 700 und 725 Milliarden US-Dollar. Er merkte außerdem an, dass Rechenzentren im Jahr 2023 etwa 4.4 % des US-amerikanischen Stromverbrauchs ausmachten und dieser Anteil bis 2028 deutlich über 12 % liegen könnte. Diese Trends werden die Nachfrage nach Stromerzeugung, -übertragung und damit verbundenen Infrastrukturprojekten weiter ankurbeln und gleichzeitig die Attraktivität von schnell realisierbaren und langlebigen Gebäudesystemen verstärken. 

Der öffentliche Bausektor stellt einen weiteren Lichtblick dar. Basu zeigte, dass der Gesamtbau von Nichtwohngebäuden zwar stagniert, Infrastrukturbereiche wie Verkehr, Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung sowie Naturschutzmaßnahmen jedoch weiterhin von den bereits laufenden öffentlichen Fördermitteln profitieren. Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen mit Schwerpunkt auf Tiefbau, Versorgungsunternehmen und dem öffentlichen Sektor kurzfristig eine höhere Stabilität aufweisen dürften als solche, die auf spekulative private Bauprojekte angewiesen sind. 

Die Materialkosten bleiben ein Problem 

Basu hob die steigenden Kosten für Baustoffe hervor, insbesondere im Bereich der Metallverarbeitung. Er erklärte, die Preise für Baumaterialien seien insgesamt von Februar 2020 bis März 2026 um 48 % gestiegen. Noch aussagekräftiger sei jedoch die spezifischere Zahl: Laut Basu stieg der Erzeugerpreisindex – der von den Herstellern erzielte Preis – für die Herstellung von architektonischen und strukturellen Metallprodukten im Jahresvergleich um 7.4 % und seit Februar 2020 um 75 %. Er wies zudem auf die deutlichen Preisanstiege bei Stahlwerksprodukten und vorgefertigten Metallkonstruktionen hin und verdeutlichte, wie sich die Zollpolitik und der Angebotsdruck weiterhin auf die Preisgestaltung auswirken. 

Die Volatilität der Materialpreise beeinflusst weiterhin Preisgestaltung, Ausschreibungen, Beschaffungsstrategien und Projektzeitpläne. In einem Markt, in dem Bauherren bereits mit Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen haben, kann eine weitere Eskalation dazu führen, dass Projekte von verzögert bis zum endgültigen Abbruch führen. 

Arbeitskräfte und Standort spielen weiterhin eine Rolle 

Der Arbeitsmarkt bleibt ein weiterer komplexer Faktor. Basu merkte an, dass die Zahl der offenen Stellen im Baugewerbe nicht wie erwartet gestiegen sei, selbst angesichts der Auswirkungen von Änderungen in der Einwanderungspolitik auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Er erklärte, dass etwa 25 % der Bauarbeiter im Ausland geboren seien, der erwartete Anstieg an Stellenanzeigen für einheimische oder registrierte Arbeitskräfte jedoch ausgeblieben sei. Der Grund dafür sei, so Basu, dass die Bauausgaben insgesamt – sowohl im Wohnungs- als auch im Nichtwohnungsbau – rückläufig seien, obwohl einige Teilbereiche weiterhin wachsen. Das bedeute, dass die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, der Lohndruck und die Produktivität zentrale Herausforderungen blieben, insbesondere in arbeitsintensiven Gewerken. Selbst dort, wo Nachfrage bestehe, hänge die Umsetzung weiterhin vom Zugang zu und der Bindung von Arbeitskräften ab. 

Basu rief die Zuhörer außerdem dazu auf, regional und nicht nur national zu denken. Manche Märkte können eine schwächelnde Wirtschaft überdauern, insbesondere wenn das Bevölkerungswachstum die Nachfrage weiterhin antreibt. Die wirtschaftliche Dynamik ist nach wie vor am stärksten in Regionen, die weiterhin Menschen und Unternehmensinvestitionen anziehen, darunter Teile von Texas, Florida und den Carolinas. Diese Regionen fördern mit größerer Wahrscheinlichkeit die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Baunachfrage. Märkte, die mit Bevölkerungsabwanderung, schwachen Rahmenbedingungen im Bürosektor oder finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, stehen vor größeren Herausforderungen. 

Was kommt als Nächstes für den Metallbau? 

Mit Blick auf die METALCON 2026 prägen die von Basu aufgeworfenen Fragen weiterhin die Diskussionen darüber, woher die Aufträge kommen, welche Projekte noch rentabel sind und wie sich Unternehmen für die nächste Phase des Konjunkturzyklus positionieren können. Die Stärke konzentriert sich nach wie vor auf eine relativ kleine Gruppe von Treibern – Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Energieinfrastruktur und öffentliche Bauvorhaben –, während andere Marktsegmente weiterhin durch Finanzierungskosten, Inputpreise und eine schwächere Nachfrage gebremst werden. 

Abschließend sagte Basu: „Ich beobachte vier Faktoren, um festzustellen, ob wir in eine Rezession geraten.“ Erstens den Konflikt im Nahen Osten, den der Aktienmarkt seiner Meinung nach als vorübergehend einstuft, obwohl „er noch nicht beendet ist und sich die Lage noch verschlimmern kann.“ Zweitens die Investitionen von Hyperscalern, insbesondere die Aussagen großer Technologieunternehmen zu ihren Investitionsplänen. Drittens die Entwicklung des Aktienmarktes, die eng mit diesen Investitionen verknüpft ist. Viertens die Entlassungsaktivität, da die Einstellungsrate weiterhin schwach ist und ein deutlicher Anstieg der Entlassungen die Arbeitslosigkeit schnell in die Höhe treiben und den Konsumdruck erhöhen könnte. 

Basu erklärte, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe seien derzeit noch niedrig – ein Zeichen dafür, dass die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter größtenteils weiterhin beschäftigen. Dies spreche für wirtschaftliche Stabilität. Sein Fazit fiel vorsichtig optimistisch aus: „Ich prognostiziere Wachstum im Jahr 2026.“  

Die Branche erhält damit eine Botschaft, die weder alarmistisch noch selbstzufrieden klingt. Es bestehen weiterhin Chancen, insbesondere in Segmenten, die mit Infrastruktur, Energie und Spitzentechnologie verbunden sind. Gleichzeitig gibt es aber auch erhebliche Herausforderungen, vor allem für Projekte, die auf einfachere Finanzierung, stabilere Inputkosten und eine breitere private Nachfrage angewiesen sind. Diese Diskussion wird in den kommenden Monaten branchenweit fortgesetzt – unter anderem auf der METALCON 2026, die vom 7. bis 9. Oktober 2026 in Orlando, Florida, stattfindet.