Die Zukunft von Metall in Design und Konstruktion
Für die Metallbau- und Konstruktionsbranche ist die Bewältigung eines turbulenten Wirtschaftsumfelds zur Tagesordnung geworden. In einem kürzlich von METALCON Online veranstalteten Webinar diskutierten Branchenführer die Auswirkungen von Zöllen, Lieferkettenunterbrechungen und veränderten Marktdynamiken auf die Branche. Mit der bevorstehenden METALCON 2025 ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diese wichtigen Diskussionen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand Ken Simonson, Chefökonom der Assoziierte Generalunternehmer von Amerika (AGC), dessen präzise und offene Einblicke in die aktuelle Wirtschaftslage und die spezifischen Auswirkungen von Zöllen beim Publikum großen Anklang fanden.
Simonson betonte, wie wichtig es sei, zu verstehen, wie sich staatliche Maßnahmen direkt auf die Baumärkte auswirken. Zölle haben gravierende Auswirkungen, da sie nicht nur die Rohstoffkosten, sondern auch die strategischen Entscheidungen von Bauunternehmen und Herstellern täglich beeinflussen.
Die Metallbaubranche, insbesondere im Nicht-Wohnungsbau, in dem Strukturmetalle eine Schlüsselrolle spielen, verzeichnete bis Ende 2024 ein robustes Wachstum. „Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst, seit wir die sehr kurze, pandemiebedingte Rezession 2020 überwunden haben“, erklärte Simonson. Er stellte fest, dass trotz des jüngsten Vertrauensrückgangs – von der Geschäfts- und Verbraucherstimmung bis hin zu spezifischen Indizes wie dem Architektur-Billings-Index – die grundlegenden Fundamentaldaten der Bauausgaben intakt blieben.

Lager für Aluminium-Extrusionspressen in Texas. Mit freundlicher Genehmigung von S-5!

Red Rocks Amphitheater, Denver, Colorado. Mit freundlicher Genehmigung von Red Rocks.
Tariflandschaft
Simonson ging schnell auf die Zölle ein und erläuterte die sich entwickelnde und unsichere Zolllandschaft. Er sagte: „Wir unterliegen 25 % Zöllen auf Aluminium und Stahl sowie Zöllen auf Waren aus Kanada und Mexiko, die nicht unter das US-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA), den Nachfolger des NAFTA, fallen. Es ist sehr knifflig und komplex, genau herauszufinden, was förderfähig ist. Darüber hinaus wurden auf fast alle anderen Handelspartner Zölle in Höhe von 10 % bis 104 % erhoben. Die Zölle können sich jederzeit ändern, was die Planung und Angebotsvorbereitung extrem erschwert.“
Diese Maßnahmen, warnte Simonson, könnten zu dramatischen Veränderungen bei Preisen und Lieferkettenlogistik führen. Die mögliche Einführung zusätzlicher Zölle – von noch nicht konkretisierten Zöllen auf Kupfer bis hin zu möglichen Gebühren für in China gebaute Schiffe, die US-Häfen anlaufen – erhöht die Unsicherheit für eine Branche, die im Vergleich zu anderen Branchen stark von importierten Materialien abhängig ist. Ian Waddell, Regionalmanager bei JFE Shoji America, sagte: „Ich denke, wenn sie die Möglichkeit haben, Schiffe einzusetzen, die nicht in China gebaut wurden, werden sie versuchen, diese auch zu nutzen.“
Konjunkturtrends und Branchenperspektiven
Über die unmittelbaren Auswirkungen der Zölle hinaus zeichnete Simonson auch ein breiteres wirtschaftliches Bild. „Ich denke, die Wirtschaft hat in den letzten fünf Jahren eine enorme Widerstandsfähigkeit bewiesen“, stellte er fest. Simonsons Einschätzung stellt einen klaren Zusammenhang zwischen kurzfristigen Marktschwankungen und den zugrunde liegenden langfristigen Trends her, die die Bautätigkeit weiterhin antreiben, insbesondere in Bereichen wie Rechenzentren und Batteriespeichern im Großmaßstab. „Der Bau von Rechenzentren ist von Februar letzten Jahres bis Februar dieses Jahres um 39 % gestiegen“, stellte er fest.
Andere Diskussionsteilnehmer untermauerten und erweiterten Simonsons Analyse. Tony Bouquot, General Manager der Verband der Metallbauindustrie (MBMA), betonte die vorsichtige Haltung der Branche. Er sagte: „Ich höre Vorsicht. Ich habe in den letzten drei Wochen wahrscheinlich mehr Fragen zu Zöllen beantwortet als in den drei Jahren zuvor. Unternehmen teilen ihren Kunden mit, dass sie mit möglichen Änderungen rechnen.“ Bouquots Bemerkungen spiegeln eine weit verbreitete Stimmung unter Herstellern wider, die sich auf ein unvorhersehbares regulatorisches Umfeld einstellen.
Robert Tiffin, Präsident der Metal Building Contractors & Erectors Association (MBCEA), ging näher auf die Einzelheiten der Zollbestimmungen und -befreiungen ein. Zu Simonson sagte er: „Ich habe Gespräche gehört wie: ‚Wir gießen und schmelzen unseren Stahl hier in den USA, aber wir fertigen ihn in Mexiko. Wird er also bei der Einfuhr abgedeckt sein?‘“
Simonson antwortete: „Wie ich bereits erwähnte, ist es sehr kompliziert.“ Er betonte, wie schwierig es sei, zu bestimmen, was zollfrei sei und was nicht, etwa Stahl- oder Aluminiumkomponenten oder Produkte, die die Grenze bereits einmal passiert haben. Die Unklarheit der aktuellen Politik unterstreicht die schwierigen Entscheidungen, die Unternehmen bei ihrer Zukunftsplanung treffen müssen.
Marktvolatilität
Dieses komplexe Zollgeflecht wirkt sich auch kaskadierend auf die Produktionsausgaben und die Projektplanung aus. Simonson wies darauf hin, dass die Gesamtsummen für den Bausektor zwar Rekordwerte erreicht haben, aber dennoch sehr anfällig für Marktveränderungen aufgrund von Zolländerungen bleiben. Er verwies auf hochkarätige Projekte – wie die Halbleiterfertigung –, die die Daten eines einzigen Monats massiv belasten. Er warnte jedoch auch davor, dass viele dieser Projekte aufgrund der Zollunsicherheiten langsamer vorankommen oder sogar ganz eingestellt werden könnten, was es Unternehmen erschwere, die langfristige Nachfrage vorherzusagen.
Die Volatilität erstreckt sich auch auf die Rohstoffpreise. Keith Shuttlesworth, Chief Commercial Officer bei Flack Global Metals, lieferte ein anschauliches Beispiel für die aktuelle Marktvolatilität: „Wenn man nur Flachblechprodukte betrachtet, stieg der Preis für Warmband von 680 Dollar pro Tonne im Januar auf 950 Dollar pro Tonne (Mitte März), ein Anstieg von fast 40 %. Wie schnell macht sich das bei diesen Bauprodukten bemerkbar?“
Solche Preisschwankungen können schwerwiegende Folgen für Bauunternehmen haben, deren Fähigkeit, Margen zu sichern und Projektkosten zu prognostizieren, zunehmend beeinträchtigt wird. Simonsons Analyse deckt sich mit Shuttlesworths Beobachtungen, der auf das Risiko plötzlicher und starker Materialkostensteigerungen hinwies, die dazu führen könnten, dass Bauunternehmen „nicht nur ihre Gewinnspanne verlieren, sondern möglicherweise sogar Projekte nicht abschließen können“.
Vertrauen und Herausforderungen für die Belegschaft
In einer Diskussion über die allgemeinen wirtschaftlichen Auswirkungen ging Simonson auch auf die Folgen des sinkenden Vertrauens von Verbrauchern und Bauunternehmern ein. Er stellte fest, dass „wir einen enormen Rückgang aller Vertrauensindikatoren erlebt haben“, obwohl die Bauausgaben weiterhin positiv sind. Diese Divergenz zwischen Stimmung und Ausgaben ist entscheidend für das Verständnis der zukünftigen Entwicklung der Branche. Während die aktuellen Ausgabenzahlen auf einen robusten Markt hindeuten, könnte die zugrunde liegende Unsicherheit – verschärft durch Zölle, mögliche regulatorische Änderungen und geopolitische Spannungen – in den kommenden Monaten zu einem vorsichtigeren Vorgehen führen.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Einwanderung und ihre Auswirkungen auf die Baubranche. „Abschließend möchte ich den drastischen Einwanderungsstopp und die drohende Massenabschiebung erwähnen“, erklärte Simonson. Da 34 % der Bauarbeiter im Ausland geboren sind – in bestimmten Branchen sogar 50 bis 60 % –, könnten Änderungen der Einwanderungspolitik die Verfügbarkeit von Arbeitskräften erheblich beeinträchtigen und Projektzeitpläne und Kostenschätzungen zusätzlich erschweren. Diese Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt ist ein weiterer Faktor, den Bauunternehmen angesichts steigender Zölle und Materialkosten abwägen müssen.
Zukunftsausblick
Mit Blick auf die Zukunft drehte sich das Gespräch natürlich um die nahe Zukunft der Branche. Mit Blick auf die bevorstehende METALCON bot das Webinar die Gelegenheit, nicht nur aktuelle Herausforderungen zu analysieren, sondern auch einen Weg für die Zukunft aufzuzeigen. Die wichtigste Branchenveranstaltung verspricht ein wichtiges Treffen für Fachleute zu werden, die Strategien austauschen, sich vernetzen und innovative Lösungen zur Bewältigung der Volatilität von Zöllen und anderen Marktbelastungen kennenlernen möchten.
Trotz steigender Zölle, Herausforderungen in der Lieferkette und wirtschaftlicher Unsicherheit besteht weiterhin ein starker Glaube an die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Design- und Baubranche. Zwar gibt es erhebliche Herausforderungen, insbesondere angesichts der Unberechenbarkeit von Zöllen und der damit verbundenen Handelspolitik, doch gibt es auch Sektoren, die weiteres Wachstum erwarten.
„Wir erleben eine leichte Belebung des Einfamilienhausbaus“, bemerkte Simonson. Auch wenn der Mehrfamilienhausbau nach Rekordniveaus nachgelassen hat, eröffnen sich neue Möglichkeiten – insbesondere im Nichtwohnungsbau. Seine Analyse deutet darauf hin, dass zwar kurzfristige Anpassungen erforderlich sein könnten, die langfristigen Fundamentaldaten der Baubranche jedoch weiterhin robust sind.
Für Auftragnehmer und Hersteller gleichermaßen ist der Umgang mit Kostenunsicherheit eine der drängendsten Fragen. Simonson betonte die Bedeutung von Instrumenten und Indizes zur Verfolgung von Preisentwicklungen. „Ich schaue mir jeden Monat die Erzeugerpreisindizes des Bureau of Labor Statistics an“, erklärte er. „Es gibt einen Index für Stahlwerkprodukte sowie einen für Kupfer, Messing und Aluminium.“ Mithilfe dieser Instrumente können Auftragnehmer steigende Inputkosten einschätzen und ihre Angebote entsprechend anpassen. Die Verzögerung zwischen den Ankündigungen der Werke und den tatsächlichen Marktpreisen, wie Shuttlesworth anmerkte, erschwert die Angelegenheit jedoch zusätzlich und unterstreicht die Notwendigkeit proaktiver Strategien zur Abmilderung dieser Verzögerungen.
Die Diskussion um Zölle hat die Notwendigkeit robuster Risikomanagementstrategien deutlich gemacht. Das Potenzial für weitere Zollerhöhungen oder -anpassungen unterstreicht das komplexe Zusammenspiel zwischen globaler Handelspolitik und lokalen Marktgegebenheiten. Für die Metallbau- und Baubranche sind dies keine abstrakten Konzepte, sondern reale Faktoren, die Preisgestaltung, Projektdurchführbarkeit und strategische Planung beeinflussen.
Simonsons freimütige Einschätzung, dass „Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder dazu führen könnten, dass US-Unternehmen, die landwirtschaftliche Produkte für den Export anbauen oder Industriegüter für den Export produzieren, plötzlich feststellen könnten, dass sie Märkte verlieren“ – ist eine ernüchternde Erinnerung an die vernetzte Natur des heutigen wirtschaftlichen Umfelds.
Da sich die Branche auf mögliche weitere Volatilität vorbereitet, betonen die vermittelten Botschaften die Notwendigkeit von Anpassungsfähigkeit, Wachsamkeit und Zusammenarbeit. Für die Metalldesign- und Baubranche gilt: METALCON bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich mit Kollegen auszutauschen, von führenden Experten zu lernen und innovative Strategien zur Bewältigung zollbezogener Risiken zu entwickeln. Simonson bemerkte optimistisch: „Ich bleibe ein chronischer Optimist …“ Und dieser Optimismus ist der Grundstein für zukünftiges Wachstum und Widerstandsfähigkeit.








































